Trauma / Belastungsstörungen

Das Wort "Trauma" kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Verwundung oder Schaden. Bei einer posttraumatischen Belastungsstörung handelt es sich also um eine psychische Verwundung als Folge von schlimmen Erlebnissen. Im Lexikon zum ICD-10 (Internationale Klassifikation psychischer Störungen) der WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist dies zitatgemäß so definiert: "Eine verzögerte und verlängerte Reaktion auf eine kürzere oder längere Belastungssituation von besonders bedrohlichem oder katastrophalem Ausmaß, die auch bei fast jedem anderen Menschen eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde." Es gibt zahlreiche Beispiele dafür, dass es dazu kommen kann, wobei dies bei einmaligen, mehrmaligen oder bis hin zu jahrelang dauerhaften Traumata möglich ist.

 

Trauma - Beispiele

Beispiele für einzelne Erlebnisse sind Überfall, schwerer Unfall, Terrorismus, Vergewaltigung oder Überleben einer Katastrophe, wo Todesangst herrschte oder man mitansehen musste, wie jemand anderer schwer verletzt oder getötet wurde, um nur einige zu nennen. Dauerhaft schlimm Erlebtes kann z.B. bedeuten, schon längere Zeit in der Schule oder am Arbeitsplatz gemobbt worden zu sein. Ein Extremfall ist, sich jahrelang inmitten von Grauen eines Krieges befunden zu haben. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist bei all diesen Beispielen davon auszugehen, dass die Betroffenen in Folge eine unterschiedlich schwere posttraumatische Belastungsstörung erleiden werden. Der Beginn einer solchen kann innerhalb weniger Wochen bis zu Jahrzehnte später dem Trauma folgen, wobei der Verlauf wechselhaft ist. Dabei kommt es sehr darauf an, wie und für wie
lange beim jeweiligen Betroffenen der Verdrängungsmechanismus aktiviert wird.

 

Typische Merkmale einer posttraumatischen Belastung

Typische Merkmale sind Nachhallerinnerungen oder Flashbacks, bei denen das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden
Erinnerungen auftreten. Flashbacks können durch sogenannte Trigger (Schlüsselreize) wie ein Wort, Geräusche, Gerüche, Fotos oder andere Gegenstände oder gar fremde Menschen, die jemandem ähnlich sehen, an dem man sich plötzlich erinnert, ausgelöst werden. Bei einem Flashback handelt es sich um ein plötzliches Erlebnis, bei dem sich der Betroffene so fühlt, als befände er sich in einer längst vergangenen unangenehmen oder sogar lebensbedrohlichen Situation, die durch einen speziellen Reiz nun wieder ausgelöst wird. Dabei handelt die Person dann unter Angstzuständen so, wie sie "damals" auch gehandelt hat. In solchen Fällen wird durch so einen Auslöser die geistige Prüfung der Realität blockiert und dieser Mensch befindet sich somit auf einer "zeitversetzten" Realitätsebene, die der "inneren Realität" des früheren Gefühlszustands entspricht, die durch Auslöser hervorgerufen werden, denen man normalerweise durch Wegschauen, Weghören oder Weggehen ausgewichen wäre, aber sie können häufig unerwartet auftreten.

Albträume und emotionale Abgestumpftheit, erhöhte Erregung, Schlafstörungen, Teilnahmslosigkeit, Freudlosigkeit sowie verminderte Leistungs-fähigkeit bzw. Fehlleistungen können ebenfalls auftreten. In diesem Zusammenhang sind auch Selbstmordgedanken keine Seltenheit. Im ICD-10 ist ein zeitlicher Rahmen dieser Erkrankung angeführt, der von einer akuten Belastungsreaktion als niedrigste Form mit wenigen Stunden bis hin zu einer andauernden Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung mit jahrzehntelangen Folgen reichen kann.

 

Behandlungsmöglichkeiten

Bei posttraumatischer Belastungsstörung kann professionelle Hilfe wie Psychotherapie und bei schweren Störungen mit möglicherweise komorbiden Erkrankungen eine notwendige zusätzliche psychiatrische Behandlung  mit Verschreibung von Psychopharmaka in Anspruch genommen werden, um erstens möglichst eine Stabilisierung des Leidenden zu schaffen und zweitens in Folge - je nach Schweregrad und
Komorbidität - eine kürzer oder länger andauernden Heilungsprozess einzuleiten. Während der Psychotherapie kommt es häufig zu schlechten Phasen des Klienten, der dann möglicherweise nicht versteht, warum das so ist, da er sich seiner Vorstellung nach während der Behandlungsdauer, die im Extremfall viele Jahre andauern kann, sicher und gut aufgehoben fühlen sollte. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass bei der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse kürzer oder länger andauernde schlechte Phasen von Tagen, Wochen ausgelöst werden können, weil sich der leidende Mensch nun zum Heilungszweck intensiv mit dem Schrecklichen auseinandersetzt, was notwendig ist, um in Folge immer leichter damit umgehen zu können. Dies liegt in der Natur des psychotherapeutischen Prozesses.

Psychotherapie DDr. Anton Wambach